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Liebe Mitchristen,

kaum kann ich in Worte fassen, wie es z.Zt. als Seelsorger in meinem Inneren aussieht. Ich vermisse zutiefst unsere gemeinschaftlichen Eucharistiefeiern, die zwar seit dem 21.05.2020 wieder erlaubt sind, aber unter strengen Vorsichtsmaßnahmen vorgenommen werden müssen. Ich vermisse die vielen Begegnungen, ob bei Geburtstagen, Jubiläen, oder auf der Straße. Ich vermisse mein „normales Leben“! Vielen geht es genauso, wenn nicht sogar allen.

Schon auf die gemeinschaftliche Feier des höchsten Festes der Christenheit, Ostern, mussten wir verzichten, und nun steht das Hochfest der Herabsendung des Hl. Geistes, Pfingsten, vor der Tür. Wie kann ich mit dem Geburtstag der Kirche in solchen Zeiten umgehen?

Wir dürfen uns immer noch mit der jungen Kirche von damals verbunden wissen, die erfüllt wurde mit der Kraft von oben - jener Kraft, die alle Angst und Furcht der Jünger wegfegte und sie aufbrechen ließ, den Auftrag des Herrn zu erfüllen: Geht hinaus in alle Welt und verkündet das Evangelium. Heute können wir neu wiederholen, was da an Pfingsten geschehen ist, wenn wir bereit sind, zu verstehen, was da geschehen ist.

Eins sein im Heiligen Geist und das Fruchtbarwerden durch den Heiligen Geist.

 

Eins sein im Heiligen Geist. Der Heilige Geist ist nicht nur die Gabe des Sohnes an seine Jünger, er ist zugleich der Geist des Vaters, der den Menschen aller Zeiten geschenkt ist. So wird mit einem Blick in das Innenleben der Dreifaltigkeit erkennbar, dass der Heilige Geist das Band der gegenseitigen Liebe von Vater und Sohn ist. Er verbindet beide so sehr, dass sie untrennbar, wenn auch verschieden voneinander, wirken. Mit anderen Worten: Der Heilige Geist ist das göttliche Band, das Vater und Sohn miteinander verbindet, er ist die Frucht ihres Dialoges in Wort und Antwort, Frucht einer Liebe, die nicht bei sich bleibt, sondern aus sich heraustritt und sich für den anderen gibt.

Wenn dieser Geist damals den Jüngern und uns heute in Taufe und Firmung geschenkt wird, dann will er uns in die Einheit mit dem Vater und dem Sohn führen und darin bestärken. Dieser Geist verbindet uns mit Gott und macht jeden von uns stets neu zu einem Tempel, in dem Gott wohnt. Diese Wahrheit können wir zwar in der Kirche festlich feiern, aber bewähren muss sie sich in unserem Alltag. Daran hindert uns COVID 19 nicht, und diese Krise ist auch keine Entschuldigung, sein Christ-Sein nicht zu leben!

Fruchtbar werden im Heiligen Geist -  Diese Begeisterung, dieses Einsseins in Gott ist kein Automatismus. Der Geist Gottes will in uns Menschen fruchtbar werden; fruchtbar in der einen Sprache des Glaubens, die Gott bekennt und erfahrbar wird in den Werken des Geistes, der die Liebe ist. Diese Werke sind jene, die Gott selbst betreffen: Liebe, Freude, Friede. Jene, die auf den Nächsten ausgerichtet sind: Langmut, Freundlichkeit, Güte, und jene, die dem und den Gläubigen dienen: Treue, Sanftmut, Selbstbeherrschung.

Sie machen uns fähig, wie die Jünger damals, in der einen Sprache des Glaubens Gottes große Taten zu verkünden. Sie alle zielen schließlich auf die Einheit im Glauben und auf die Einheit der Kirche, weil sie aus der Einheit in Gott selbst stammen.

In der Mitte der Jünger sieht die Tradition immer Maria, die Mutter des Herrn und die Mutter der Kirche. Möge sie, die selbst ganzer Mensch wie wir war, uns helfen, in der Kraft des Heiligen Geistes, hier in unseren Orten, neu eins zu werden mit Gott dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist, damit er in uns und durch uns fruchtbar werde - in jener Liebe; die Gott selbst ist.

So wünsche ich Ihnen und Euch allen, auch im Namen von Pfarrer Gerhard Staudt und Gemeindereferentin Ida Ziegler ein geistdurchflutetes Pfingstfest, das den Geist in die Welt, unseren Alltag trägt, jenen Geist, den auch kein COVID 19 aufhalten kann.

Ihr und Euer Pfarrer

Stefan Mollner

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