logo st benedikt

Liebe Leserin, lieber Leser,

die vergangenen Wochen haben wir mit all ihren Veränderungen sehr unterschiedlich erfahren. Für Menschen, die allein leben, ist die Herausforderung eine andere, als für eine Familie mit mehreren kleinen Kindern.  Für uns alle war und ist die Corona Epidemie  eine Unterbrechung des gewohnten Alltags, die wir uns so nicht vorstellen konnten. Für  die einen ist sie mit mehr Stress verbunden, für manche auch eine Möglichkeit des Innehaltens und Nachdenkens: Was ist mir wirklich wichtig, beruflich und im persönlichen Leben?

Was uns alle verbindet, ist die Hoffnung: auf Gesundheit unserer Familie und Freunde, auf einen Impfstoff und Medikamente, auf ein Ende der Beschränkungen....

Mich persönlich bewegt auch die Hoffnung, dass diese Krise so bewältigt werden kann, dass die sozialen Ungleichheiten nicht noch größer werden.

In der Philosophie werden, als Voraussetzung für ein gelingendes Leben und dazu gehört auch die Fähigkeit eine Krise zu bewältigen, vier Kardinaltugenden genannt: neben Weisheit, Mut und Besonnenheit spielt die Gerechtigkeit eine wichtige Rolle.

Dahinter steckt die Erfahrung, dass durch Ungleichheit und Ungerechtigkeit ein Sprengstoff entsteht, der das Verbindende jeder Gemeinschaft, von der Familie bis zum Staat,  zerstören und  damit den Frieden bedrohen kann. 

Die Vision vom Reich Gottes, einem Zusammenleben der Menschen in Liebe, Frieden und Gerechtigkeit zeigt sich damit einmal mehr als brandaktuell.

Und Jesus hat es uns gezeigt  wie diese Vision Wirklichkeit werden kann: durch  Hinwendung zu den Benachteiligten am Rande unserer Gesellschaft,  zu den Einsamen und Trauernden. 

Von der jüdischen Dichterin Hilde Domin stammt der wunderbare Satz:

Nicht müde werden, sondern  dem Wunder leise wie

 einem Vogel die Hand hinhalten.

In Hilde Domins Leben gab es viele Erschütterungen und Sinnkrisen. Doch sie hat nie aufgehört zu hoffen, nie ihr Vertrauen ins Leben verloren. Trotz allem, was geschieht der Appell – nicht müde werden. Aushalten, Annehmen, nicht resignativ, sondern in einer Haltung der Offenheit und Erwartung. Diese Botschaft steckt für mich  in diesem  kleinen Gedicht.

Auch im Namen von Pfarrer Mollner und Pfarrer Staudt  grüße ich ganz herzlich und wünsche Mut und Zuversicht

Ihre /Deine  Ida Ziegler

­